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Stand: 31.10.2026

EIKE: Meeresspiegel steige laut Pegeln nur allmählich

Irreführend

Link Beschreibung

EIKE veröffentlicht am 30. Oktober 2026 die Übersetzung eines Electroverse-Beitrags von Cap Allon (Electroverse), übersetzt von Christian Freuer. Anhand von neun Pegelstationen der Universität Hawaii mit teils über hundertjährigen Messreihen soll sich zeigen, dass der Meeresspiegel "überwiegend nur allmähliche Veränderungen" zeigt. Genannt werden relative Anstiege von etwa 2 mm pro Jahr in San Francisco, 3,2 mm in New York, 3,6 mm in Charleston und 6,6 mm in Galveston sowie fallende Pegel in Stockholm (etwa 3,7 mm pro Jahr) und Ratan (fast 8 mm pro Jahr). Sechs der neun Stationen zeigen laut Text eine moderate positive, zwei eine negative Beschleunigung, Honolulu praktisch keine. Die Satelliten-Beschleunigung sei fragil: Der Text beruft sich auf eine Studie in "Science Advances" (Mai 2026), die den Wert von 1,20 auf 0,83 mm pro Jahr pro Jahrzehnt gesenkt habe, auf eine NASA-Arbeit zu einem TOPEX-Kalibrierungsproblem (2017) und auf eine Studie in "Scientific Reports" (2019).

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Stationswerte selbst sind nicht der Streitpunkt. Der Schluss darauf ist es.

Ein Pegel misst den relativen Meeresspiegel, also Wasserstand und Landbewegung zusammen. Das erklärt die Spanne von minus 8 bis plus 6,6 Millimeter pro Jahr, die der Text selbst auf Landbewegungen zurückführt. In Skandinavien hebt sich das Land nach der Eiszeit um bis zu 9 Millimeter pro Jahr, an den Küsten Norwegens, Schwedens und Finnlands fällt der relative Pegel deshalb um bis zu 0,7 Zentimeter pro Jahr (CORRECTIV: Sinkende Pegel, 28. Juli 2017). In Galveston sinkt der Boden: Eine Studie in "Scientific Reports" beziffert die Landsenkung seit 1983 auf 3,51 mm pro Jahr und führt sie auf Grundwasserentnahme zurück, die bis zu 85 Prozent des relativen Anstiegs von rund 0,7 Metern seit 1909 erklärt (Liu et al. 2020: Land subsidence contributions to relative sea level rise at tide gauge Galveston Pier 21, Texas). Aus neun Einzelstationen, deren Pegel teils fallen und teils steigen, lässt sich deshalb weder ein globaler Trend noch dessen Beschleunigung ablesen. Auffällig ist zudem, dass selbst nach dem eigenen Befund des Textes sechs von neun Stationen eine positive Beschleunigung zeigen, nur zwei eine negative.

Für den globalen Mittelwert gibt es Auswertungen, die genau diese Landbewegungen herausrechnen. Der Weltklimarat kommt in seinem Sachstandsbericht von 2021 auf 1,3 mm pro Jahr zwischen 1901 und 1971 und 3,7 mm pro Jahr zwischen 2006 und 2018 und spricht von einer "robusten Beschleunigung" mit hoher Sicherheit (RealClimate: Sea level in the IPCC 6th Assessment Report, 13. August 2021). Die NASA gibt für die Satellitenzeit an, dass sich die jährliche Anstiegsrate von 0,20 Zentimetern im Jahr 1993 auf heute 0,44 Zentimeter mehr als verdoppelt hat (NASA: Global Mean Sea Level). Wie schnell der globale Meeresspiegel insgesamt steigt, nennt der Text nicht.

Die Science-Advances-Studie, auf die sich der Text beruft, bestätigt die Beschleunigung. Zheng et al. (2026) in "Science Advances" schließen die Bilanz des globalen Meeresspiegels seit 1960. Die Studie nennt für 1993 bis 2023 eine Beschleunigung von 0,83 ± 0,49 mm pro Jahr pro Jahrzehnt (90-Prozent-Intervall) und für 1960 bis 2023 rund 0,71 ± 0,18. Sie hält die Beschleunigung für zeitlich stabil, mindestens seit den 1960er Jahren. Der Wert von 1,2 ± 0,5 stammt dort aus früheren Altimetrie-Studien für 1993 bis 2022. Eine neue Korrektur für den Wasserdampf in der Atmosphäre senkt die Beschleunigung laut Studie um 0,15. Auf diese Korrektur führen die Autoren den niedrigeren Wert zurück, obwohl sie die Differenz zu 1,2 für sich allein nicht vollständig erklärt. Entscheidend ist, dass auch 0,83 ± 0,49 deutlich über null liegt. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass der Wert vom gewählten Zeitraum abhängt. Eine Entwarnung lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch die beiden älteren Arbeiten stützen keine Entwarnung. Die Studie von Beckley et al. (2017) fand Hinweise auf eine Verzerrung der frühen TOPEX-Messungen von etwa plus/minus 5 mm. Die Studie von Kleinherenbrink et al. (2019) kalibrierte die Daten neu. Danach war die Beschleunigung für 1993 bis 2016 bei 95 Prozent Sicherheit statistisch nicht von null zu unterscheiden. Eine positive Beschleunigung hielten die Autoren trotzdem für wahrscheinlich (mehr als 66 Prozent). Mit längeren Reihen ist das Bild seither eindeutiger geworden, wie Zheng et al. zeigen.

Richtig ist der Hinweis am Ende des Textes, dass für ein Küstenrisiko lokale Wasserstände, Landbewegungen und Sturmfluten zählen. Das ist aber ein anderes Argument als die Frage, ob der Meeresspiegel weltweit beschleunigt steigt. Dieselbe Verwechslung von Einzelmessung und globalem Trend zeigt der Faktencheck zum Sydney-Fotovergleich. Ein früheres EIKE-Argument zum Meeresspiegel hat unsere Prüfung zum Antarktis-Zuwachs ebenfalls als irreführend eingestuft.

Fazit

Selbst wenn die einzelnen Pegelwerte stimmen, tragen sie nicht, was der Text daraus macht. Relative Pegel an neun Orten erlauben keine Aussage über den globalen Meeresspiegel, weil Landhebung und Landsenkung sie stark prägen. Die Studie, mit der der Text die Satelliten-Beschleunigung als fraglich darstellt, bestätigt sie: Der globale Meeresspiegel steigt nach Auswertungen von IPCC, NASA und Zheng et al. beschleunigt.