Link Beschreibung
Von Christian Freuer für EIKE übersetzter Beitrag des Electroverse-Autors Cap Allon vom 19. August 2026. Der Text führt Satellitendaten zur abnehmenden Wolkenbedeckung an und schließt daraus, die Erwärmung sei durch veränderte Albedo statt durch Treibhausgase erklärbar.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die im Text zitierten Messdaten sind real. Satellitendaten des CERES-Programms zeigen tatsächlich eine sinkende Wolkenbedeckung und ein wachsendes Strahlungsungleichgewicht der Erde: Laut einer gemeinsamen Studie von NASA und NOAA hat sich das Energie-Ungleichgewicht der Erde zwischen 2005 und 2019 etwa verdoppelt (NASA: Joint NASA, NOAA Study Finds Earth's Energy Imbalance Has Doubled), und eine 2026 erschienene Studie in Atmospheric Chemistry and Physics beziffert den Beitrag sinkender Tiefwolken zur gestiegenen Sonnenstrahlungsaufnahme zwischen 2003 und 2024 auf 0,22 W/m² pro Jahrzehnt (ACP: Emerging low-cloud feedback and adjustment in global satellite observations). Dass Wolken einen erheblichen Teil des Strahlungstrends erklären, wird von der etablierten Klimaforschung also nicht bestritten.
Der Fehler liegt in der Kausalrichtung. Der Klimawissenschaftler Paulo Ceppi vom Imperial College London hat den Wolkenrückgang zwischen Juli 2003 und Juni 2024 aufgeschlüsselt: 40 Prozent gehen auf eine echte Rückkopplung zurück, die Erwärmung selbst lässt tiefe Wolken schrumpfen, was wiederum mehr Sonnenstrahlung durchlässt und die Erwärmung zusätzlich verstärkt. Weitere 20 Prozent entfallen auf Treibhausgase und 14 Prozent auf den Rückgang von Aerosolen, etwa durch strengere Schwefelgrenzwerte für Schiffskraftstoffe seit 2020, wodurch der Atmosphäre reflektierende Partikel fehlen, die zuvor Wolken heller gemacht hatten. Zusammengenommen sind damit 74 Prozent des Wolkenrückgangs menschengemacht, dazu kommen 3 Prozent natürliche Klimavariabilität. Die verbleibenden 23 Prozent lassen sich nach Angabe der Autoren keinem der genannten Faktoren zuordnen (Carbon Brief: How declining cloudiness is accelerating global warming). Wolken sind damit größtenteils Teil des Mechanismus, über den sich die Erwärmung selbst verstärkt, nicht ein von CO2 unabhängiger Erklärungsfaktor, wobei fast ein Viertel des Rückgangs unerklärt bleibt.
Die 80-Prozent-Zahl selbst stammt entgegen dem Eindruck, den der EIKE-Text erweckt, nicht von Ned Nikolov und Karl Zeller, sondern aus einer regulär begutachteten Arbeit von Gianni Bellocchi, Vinay Kumar, Fredrik Charpentier Ljungqvist und Nazzareno Diodato, erschienen am 22. Juli 2026 in Environmental Research Letters (IOP Science: Earth's dimming mirror: cloud contraction and the rise of albedo governance). Sie gibt dabei eine Zerlegung von Tselioudis und Kollegen wieder, wonach der kurzwellige Strahlungseffekt der Wolken zwischen 2001 und 2024 um plus 0,45 Watt pro Quadratmeter je Jahrzehnt zugenommen hat, wovon sich rund 0,37 Watt pro Quadratmeter, etwa 80 Prozent, durch den Rückgang stark reflektierender Wolkenregime erklären lassen. Als Ursachen nennt die ERL-Arbeit großräumige Verschiebungen der atmosphärischen Zirkulation, etwa eine Verengung der innertropischen Konvergenzzone und eine polwärtige Verschiebung der außertropischen Sturmbahnen, daneben menschengemachten Antrieb und natürliche Variabilität. Entscheidend: Die Studie bestreitet den Treibhauseffekt an keiner Stelle, sondern nennt steigende Treibhausgaskonzentrationen ausdrücklich als einen von mehreren Mechanismen, die das Energie-Ungleichgewicht der Erde verstärken. EIKE stützt sich hier auf eine seriöse, begutachtete Studie, deren eigene Autoren die im Text gezogene Schlussfolgerung nicht teilen.
Den Sprung zu "CO2 wird überflüssig" liefert erst die zweite im Text angeführte Arbeit. Ned Nikolov und Karl Zeller kommen in einer 2024 in der Fachzeitschrift Geomatics erschienenen Studie, einem auf Vermessung und Fernerkundung spezialisierten Journal, nicht auf Klimawissenschaft, zu dem Schluss, Veränderungen der planetarischen Albedo erklärten zusammen mit dem deutlich kleineren Beitrag von Schwankungen der Sonneneinstrahlung 100 Prozent des beobachteten Erwärmungstrends (DOI 10.3390/geomatics4030017). Beide Autoren sind in der Klimaforschung seit Jahren umstritten. Ihre zentrale These, wonach nicht Treibhausgase, sondern der atmosphärische Druck die Oberflächentemperatur von Planeten bestimmt, wird von Klimaforschern breit zurückgewiesen. 2016 mussten sie eine gemeinsame Arbeit zurückziehen, die 2015 im Fachjournal Advances in Space Research erschienen war, weil sie unter den Pseudonymen "Den Volokin" und "Lark ReLlez" (ihre Namen rückwärts geschrieben) eingereicht worden war (Retraction Watch: U.S. gov't researchers withdraw climate paper after using pseudonyms). Der Klimatologe Scott Denning von der Colorado State University bezeichnete ihr Modell als physikalisch zu einfach, der Klimaforscher Michael Mann nannte ihre Veröffentlichungen "politisch motivierten Leugner-Müll" (DeSmog: Ned Nikolov).
Cap Allon, Autor des Originaltexts, schreibt unter anderem für Electroverse, Climate Depot und Climate Change Dispatch; sein Journalistenprofil bei Muck Rack verzeichnet mehr als 800 Artikel (Muck Rack: Cap Allon). Das Fact-Checking-Portal Science Feedback hat einen seiner Electroverse-Artikel geprüft und die Kernaussage, wonach US-Temperaturrekorde die globale Erwärmung widerlegten, am 24. März 2020 als methodisch fehlerhaft eingestuft, unter anderem weil die USA nur rund 2 Prozent der Erdoberfläche ausmachen (Science Feedback: Temperature trends in the U.S. are consistent with warming around the world, contrary to Electroverse claim).
Fazit
Die zitierten Satellitendaten zur sinkenden Wolkenbedeckung sind echt, ihre Deutung im Text ist es nicht. Der Wolkenrückgang macht die Treibhausgas-Erklärung der Erwärmung nicht überflüssig: 74 Prozent davon sind menschengemacht, größtenteils selbst Folge der Erwärmung oder des Rückgangs von Aerosolen, bei einer verbleibenden Unsicherheit von 23 Prozent. Die im Text zentrale 80-Prozent-Zahl stammt aus einer seriösen, begutachteten Studie, deren Autoren die Treibhausgastheorie nicht infrage stellen. Erst eine zweite, fachfremd publizierte Arbeit zweier in der Klimaforschung seit Jahren umstrittener Autoren zieht daraus den Schluss, CO2 spiele keine Rolle mehr.
