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Stand: 29.10.2026

EIKE: Eiszeiten begannen bei hohem CO2-Gehalt

Irreführend

Link Beschreibung

Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) veröffentlichte am 28. Oktober 2026 eine von Christian Freuer übersetzte Fassung eines Textes von Cap Allon (Electroverse). Aus den Vostok-Eisbohrkernen wird abgeleitet, dass die Temperatur den CO2-Gehalt stärker beeinflusse als umgekehrt und dass die Daten die Vorstellung widerlegten, allein CO2 steuere das Klima.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Datengrundlage ist solide. Der Vostok-Bohrkern ist eine etablierte Messreihe, veröffentlicht von Petit und Kollegen 1999 in Nature, die Rohdaten stellt das Paläoklima-Archiv der US-Behörde NOAA bereit. Auch die beiden im EIKE-Text namenlos verlinkten Studien gibt es. Hinter der "Studie" von 1991 steht dem verlinkten DOI zufolge die Arbeit von Barnola und Kollegen in Tellus B, eine Neuauswertung des Zusammenhangs von CO2 und Klima im Vostok-Kern. Sie fand, dass der CO2-Gehalt zu Beginn der letzten Vereisung klar hinter der Temperatur zurückblieb. Die Studie von 2003 ist Caillon et al. in Science. Nach ihrer Auswertung lief der CO2-Anstieg bei der Enteisung vor rund 240.000 Jahren der antarktischen Erwärmung wahrscheinlich um 800 ± 200 Jahre hinterher und ging der Enteisung der Nordhalbkugel voraus. Dass CO2 in der Antarktis der Temperatur folgte, ist in der Forschung also seit Jahrzehnten bekannt.

Der Fehler liegt im Schluss. Der Text richtet sich gegen die "vereinfachte Vorstellung", allein CO2 steuere das Klima. Das ist nicht die Position der Klimaforschung. Der IPCC führt frühere Warmzeiten auf "slow (multi-millennial) orbital variations" zurück (Übersetzung: langsame, über Jahrtausende wirkende Veränderungen der Erdbahn). Für die Eiszeitzyklen gilt die Erklärung, die der EIKE-Text sogar selbst nennt: Veränderungen der Erdumlaufbahn halfen, die Wechsel auszulösen, Ozeane, Eisschilde und Gase reagierten durch Rückkopplungen. CO2 ist in diesem Bild ein Verstärker, kein Auslöser. Eine Verzögerung des CO2 gegenüber der Antarktis-Temperatur passt genau dazu. Wie wir in der Prüfung der EIKE-Behauptung zu fehlenden Belegen für den Treibhauseffekt darlegen, löste damals eine zunächst geringe, orbital ausgelöste Erwärmung eine CO2-Freisetzung aus den Ozeanen aus, die die Erwärmung erheblich verstärkte.

Die Schlussfolgerung, die Temperatur beeinflusse den CO2-Gehalt stärker als umgekehrt, stützen die Studien nicht. Shakun et al. 2012 in Nature rekonstruierten aus 80 Proxy-Reihen die globale Oberflächentemperatur und fanden, dass sie bei der letzten Enteisung "correlated with and generally lags CO2" ist (Übersetzung: mit CO2 korreliert und ihm in der Regel hinterherläuft). Die Autoren schließen, dass eine global gleichgerichtete, durch steigendes CO2 getriebene Erwärmung, überlagert von gegenläufigen Reaktionen der beiden Hemisphären auf veränderte Meeresströmungen, einen großen Teil des Temperaturanstiegs am Ende der letzten Eiszeit erklärt. Selbst die Verzögerung in der Antarktis gilt nicht für jede Enteisung: Parrenin et al. 2013 in Science werteten fünf Eiskerne neu aus und fanden "no significant asynchrony" (Übersetzung: keine bedeutsame Asynchronität) zwischen CO2 und antarktischer Temperatur bei der letzten Enteisung. Ein Zeitversatz in einer Region und bei einem Übergang sagt außerdem nichts darüber, ob CO2 die Temperatur beeinflusst. Beides gilt gleichzeitig: Wärme setzt CO2 aus den Ozeanen frei, und mehr CO2 verstärkt die Wärme.

Der Abschnitt "Wie ist das heute?" zieht aus dem Paläoklima den Umkehrschluss, hohes CO2 verhindere keine Abkühlung, also schließe die heutige Konzentration eine Abkühlung nicht aus. Um diese Frage geht es in der Klimadebatte nicht. Heute ist der Anstieg nicht die Folge einer Erwärmung, sondern ihre Ursache: Laut IPCC, Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe 1 sind die beobachteten Zunahmen der Treibhausgaskonzentrationen seit etwa 1750 "unequivocally caused by human activities" (Übersetzung: eindeutig durch menschliche Aktivitäten verursacht). Der Bericht beziffert den CO2-Anstieg seit 1750 auf 47 Prozent und nennt ihn weit größer als die natürlichen, mehrtausendjährigen Schwankungen zwischen Eis- und Warmzeiten der vergangenen 800.000 Jahre. Die CO2-Konzentration des Jahres 2019 lag demnach höher als zu jedem Zeitpunkt in mindestens zwei Millionen Jahren. Eine Rückkopplung aus der Erwärmung kann das nicht erklären, die Quelle des Anstiegs ist bekannt. Warum die Natur nach der Bilanz des Kohlenstoffkreislaufs netto Kohlenstoff aufnimmt und nicht abgibt, zeigt unsere Prüfung eines früheren Textes desselben Autors. Dort ging es um eine andere Datenbasis, den Fehlschluss von der Reihenfolge auf die Ursache gibt es in beiden Fällen.

Der EIKE-Text räumt zudem selbst ein, die Aufzeichnungen könnten eine Mitwirkung von CO2 an früheren Abkühlungen "nicht ausschließen, belegen sie aber auch nicht". Die Überschrift belegt deshalb nichts für die These: Dass Abkühlungen bei hohem CO2 begannen, sagt wenig, solange ein anderer Antrieb, die Erdbahn, sie ausgelöst hat.

Fazit

Die Behauptung ist irreführend. Die Messdaten aus Vostok sind korrekt wiedergegeben, und dass CO2 in der Antarktis der Temperatur zeitweise folgte, zeigen Barnola et al. und Caillon et al. Der Schluss, die Eisbohrkerne widerlegten eine CO2-Steuerung des Klimas, richtet sich aber gegen eine Position, die die Klimaforschung nicht vertritt: In den Eiszeitzyklen wirkte CO2 als Verstärker orbital ausgelöster Wechsel. Die These, die Temperatur beeinflusse CO2 stärker als umgekehrt, wird von Shakun et al. und Parrenin et al. nicht gestützt. Auf die heutige Lage lässt sich nichts übertragen, weil der aktuelle CO2-Anstieg nach dem IPCC auf menschliche Emissionen zurückgeht.