Quelle

Dr. Paul Schmidt

AfD-Bundestagsabgeordneter aus Karlsruhe, Physiker und ehemaliger Betriebsphysiker im Kernkraftwerk Philippsburg, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Kernkraft der AfD-Bundestagsfraktion.

Bildquelle: ©Dr. Paul Schmidt
Bildquelle: ©Dr. Paul Schmidt

Dr. Paul Schmidt (* 4. Januar 1966 in Karlsruhe) ist Physiker und seit März 2025 Mitglied des Deutschen Bundestags für die Die "Alternative für Deutschland". Er leitet die Arbeitsgemeinschaft Kernkraft der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Über die Quelle

Schmidt studierte nach dem Abitur mit Latinum und Graecum am Bismarck-Gymnasium Karlsruhe Physik an der Syracuse University in New York (B.Sc., M.Sc.) und promovierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Physik. Anschließend absolvierte er ein Aufbaustudium in Medizinischer Physik und Technik an der Universität Kaiserslautern. Beruflich arbeitete er als Versuchsingenieur am Kernforschungszentrum Karlsruhe, koordinierte bei der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in Essen die Entwicklung von CASTOR-Behältern und wechselte 2001 zur EnBW Kraftwerke AG. Seit 2006 ist er laut Bundestags-Biografie und AfD-Fraktionsprofil Betriebsphysiker im Kernkraftwerk Philippsburg, seit 2022 zusätzlich Beauftragter für Nukleartransporte. Diese fachliche Vorbildung im Bereich Kerntechnik ist damit durch mehrere übereinstimmende offizielle Quellen belegt.

2013 trat Schmidt der AfD bei, nach eigener Darstellung im Zusammenhang mit der Abschaltung des Kernkraftwerksblocks Philippsburg 1 im Jahr 2011. Seit Juli 2014 ist er Stadtrat in Karlsruhe und Mitglied im Regionalrat des Verbands Region Karlsruhe, seit 2019 Fraktionsvorsitzender in beiden Gremien. Bei der Bundestagswahl 2025 zog er über die Landesliste Baden-Württemberg der AfD ins Parlament ein. Dort ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie stellvertretendes Mitglied in mehreren weiteren Ausschüssen. Innerhalb der Fraktion leitet er die Arbeitsgemeinschaft Kernkraft, deren Positionen er in einer Reihe von Pressemitteilungen öffentlichkeitswirksam vertritt.

Laut Abgeordnetenwatch beantwortete Schmidt in der laufenden Wahlperiode keine der beiden ihm gestellten Wählerfragen (0 von 2).

Muster in den bisher recherchierten Pressemitteilungen

Faktenfackel hat bislang vier von Schmidt verfasste oder mitverfasste Pressemitteilungen der AfD-Bundestagsfraktion im Detail geprüft, alle zu Energie- und Kernkraftthemen, sein fachliches Kerngebiet. In allen vier Fällen lautete das Urteil "irreführend": eine Kostenschätzung zur Reaktivierung stillgelegter Kernkraftwerke, die sich auf eine einzelne pro-nukleare Quelle stützte und von unabhängigen Fachleuten als deutlich zu optimistisch eingestuft wird, eine Einordnung negativer Strompreise als Beleg für eine "gescheiterte Energiewende", die installierte Nennleistung mit tatsächlicher Erzeugung verwechselte, eine Darstellung deutscher Kernkraftwerke als "praktisch unabhängig von Flusspegeln", die durch hitzebedingte Leistungsdrosselungen 2018 sowie anhaltende Abschaltungen französischer Kühlturmreaktoren widerlegt wird und in der zwei Fachleuten eine nicht auffindbare Aussage zugeschrieben wurde, sowie eine gemeinsam mit Michael Blos verfasste Mitteilung zu Windkraft, PFAS und Ostseemüll, in der eine korrekt zitierte Bundestagsdrucksache irreführend als aktuell dargestellt und eine Antwort von Umweltminister Carsten Schneider als Zugeständnis wiedergegeben wurde, das dieser laut Plenarprotokoll so nicht gemacht hatte.

Wiederkehrendes Muster ist dabei nicht die freie Erfindung von Fakten. Einzelne technische Angaben, etwa installierte Kapazitäten, der Unterschied zwischen Durchlauf- und Kreislaufkühlung oder Zitate aus Bundestagsdrucksachen, sind häufig korrekt recherchiert. Irreführend wird es regelmäßig dort, wo aus fachlich zutreffenden Einzelaussagen eine pauschale Schlussfolgerung gezogen wird, die diese Einzelaussagen nicht tragen, etwa "praktisch unabhängig von Flusspegeln" statt einer differenzierten Aussage zu Kühlbauarten, oder wo Belege genannt werden, die sich bei Prüfung nicht auffinden lassen. In einer Bundestagsdebatte vom 19. März 2026, in der Schmidt für die Wiederzulassung abgeschalteter Kernkraftwerke warb, wurde zudem eine begleitende Kostenbehauptung der AfD-Fraktion (Kernkraftstrom koste 3 Cent pro Kilowattstunde) von Faktenfackel als klar widerlegt eingestuft.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Schmidts fachliche Qualifikation im Bereich Kerntechnik ist real und unbestritten: Physikstudium, Promotion, langjährige berufliche Praxis als Betriebsphysiker im Kernkraftwerk Philippsburg. Das unterscheidet ihn von vielen anderen politischen Sprechern zu Energiethemen und verleiht seinen technischen Detailangaben zunächst Glaubwürdigkeit. Genau das macht die wiederholt beobachtete Überdehnung einzelner korrekter Fakten zu pauschalen politischen Schlussfolgerungen aber auch schwerer erkennbar: Wer die technischen Details prüft, findet oft einen zutreffenden Kern, die daraus gezogene Gesamtaussage hält der Prüfung dagegen regelmäßig nicht stand. Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kernkraft der AfD-Bundestagsfraktion vertritt Schmidt zudem erkennbar eine politische Position für den Wiedereinstieg in die Kernenergie, seine Pressemitteilungen sind entsprechend als Parteiposition und nicht als neutrale Fakteneinordnung zu lesen.

Fazit

Schmidt ist eine fachlich einschlägig qualifizierte, aber politisch motivierte Quelle zu Energie- und Kernkraftthemen. Einzelne technische Angaben in seinen Pressemitteilungen sind häufig zutreffend, die daraus gezogenen pauschalen Schlussfolgerungen wurden in allen bislang von Faktenfackel geprüften Fällen als irreführend eingestuft. Aussagen aus seinen Mitteilungen sollten deshalb im Einzelfall gegen unabhängige Fachquellen geprüft werden, bevor sie ungeprüft übernommen werden.