Zehn Tage, 47 geprüfte Quellen: acht falsch, 22 irreführend, eine mit komplexem Befund, vier zutreffend, dazu zwölf Einordnungen ohne eigenes Urteil. Neu sind außerdem zwei Lagerfeuer-Artikel, fünf Zitate und 29 Quellenprofile. Fast alles hängt an der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die an diesem Sonntag stattfindet.
Zweifel am Wahlvorgang
Der Endspurt brachte vor allem Material gegen die Wahl selbst. Vier Tage vor der Abstimmung kursierte eine Umfrage, die es nie gegeben hat, die AfD stand darin bei 46 Prozent. Die echten Erhebungen sahen sie zwischen 40 und 43. Ein Video zeigte den Musiker Campino, ausgebuht mit fremder Tonspur. Dazu kamen zwei Fälschungen im Namen der SPD, ein weiterlaufendes Briefwahl-Narrativ und eine Wahlbeobachterkarte von Ein Prozent. Die Begründung dafür lieferte das Netzwerk gleich mit: einen Vorwurf gegen den Verfassungsschutz, den die selbst zitierte Landtagsdrucksache widerlegt.
Zwei Perspektiven im Lagerfeuer
Vor der Wahl waren zwei beruhigende Sätze oft zu hören: Die AfD sei an ihrer Grenze, und eine hohe Wahlbeteiligung drücke ihre Prozente. Ist das AfD-Wählerpotenzial ausgeschöpft? prüft, was die Wahlforschung dazu wirklich hergibt.
Weiter zurück geht der zweite Artikel. 1930 stufte eine preußische Denkschrift die NSDAP als hochverräterische Verbindung ein, zu einem Verbotsverfahren kam es aber nie: Das vergessene Verbotsverfahren gegen die NSDAP.
Studien als Kronzeugen
Auffällig oft wurde in diesen zwei Wochen eine echte Studie zitiert und eine fremde Schlussfolgerung angehängt. Die AfD-Fraktion las aus einem TUM-Whitepaper eine Bestätigung ihrer Kritik an der EU-Klimapolitik. Und die dänisch-britische Studie, mit der sie Reservekraftwerke für unwirtschaftlich erklärte, empfiehlt genau das Instrument, das die Fraktion bekämpft. In derselben Zeit lieferte EIKE sechs Beiträge nach demselben Bauplan, von der weltweiten Waldbrandfläche bis zum angeblich unbelegten Treibhauseffekt. Fünfmal irreführend, einmal falsch.
Daneben blieb das Muster aus dem letzten Rückblick lebendig, bei dem eine Multiplikation als Befund auftritt. Tichys Einblick etwa multiplizierte 148.311 per Haftbefehl gesuchte Personen mit 563 Euro Grundsicherung, obwohl der eigene Text einräumt, dass die Zahl der Bezieher unbekannt ist.
Außerdem
Auf dem RKI-Stand vom 27. August stehen jetzt auch die beiden Texte zur Hitzemortalität: 15.800 geschätzte hitzebedingte Sterbefälle für 2026 statt vorher 9.800. An der Website selbst lesen sich Quellenprofile jetzt in derselben Typografie wie Artikel, und die Parteizugehörigkeit ist in 140 von 150 Politikerprofilen vereinheitlicht und belegt.