Die erste Julihälfte handelte von Maschinen und Geld. Die zweite handelt von Sprache. Fast alles, was in den vergangenen zwei Wochen dazugekommen ist, dreht sich um dieselbe Frage: Wie wird etwas genannt, und was macht der Name mit der Sache.
Begriffe, sauber getrennt
"Rechts", "rechtsradikal", "rechtsextrem", "faschistisch" werden oft benutzt, als meinten sie dasselbe in verschiedenen Lautstärken. Tun sie nicht. Rechts, rechtsextrem, faschistisch: die Begriffe sauber getrennt legt ein Modell aus zwei Achsen an: wie weit jemand vom demokratischen Konsens entfernt steht und wie weit er bereit ist zu gehen. Damit lässt sich benennen, wer wo steht, ohne die Begriffe zu verheizen.
Passend dazu ist das Glossar deutlich gewachsen. Neu sind Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Faschismus, Neonazismus, Extremismus und Radikalismus, Völkisch, Rassismus, Overton-Fenster und Altparteien. Der letzte Eintrag ist selbst ein Beispiel für das Thema: "Altparteien" klingt nach neutraler Beschreibung und ist ein Kampfbegriff mit Vorgeschichte.
Richtige Zahlen, schiefer Rahmen
Friedrich Merz war im ZDF-Sommerinterview. Der Faktencheck hat sich Arbeitszeit, Unternehmensgründungen, Steuerlast und Autokrise vorgenommen. Das Ergebnis ist unbequem für beide Lager: Die Zahlen stimmen überwiegend. Urteil: komplex. Was nicht stimmt, ist der Rahmen, in dem sie stehen, und darum geht es in Die Methode Merz: richtige Zahlen, schiefer Rahmen.
Dasselbe Muster, eine Etage schärfer, bei der AfD. 307.000 Arbeitslose eingebürgert? Die Zahl stammt aus der amtlichen Statistik und ist echt. Nur zählt sie Menschen, die heute arbeitslos sind und irgendwann in den letzten Jahrzehnten eingebürgert wurden, nicht Menschen, die als Arbeitslose eingebürgert worden wären. Urteil: irreführend.
Wissenschaft als Requisite
Drei Faktenchecks zeigen dieselbe Technik: Es wird auf eine Quelle verwiesen, und die Quelle sagt etwas anderes.
AfD-Antrag: Ist die Masernimpfung gefährlicher als die Masern? Der Antrag nennt das Nutzen-Risiko-Verhältnis ungünstig und beruft sich dabei auf eine Auswertung des Paul-Ehrlich-Instituts. Die stellt genau das Gegenteil fest. Urteil: falsch.
AfD-MdB Baum: "Woke-Ideologie" sei als Krankheitsfaktor bewiesen beruft sich auf etwas, das wie eine Studie präsentiert wird und ein Meinungs-Essay ist. Urteil: irreführend.
Von Storch: EU habe für die Chatkontrolle "Recht gebrochen" Das Verfahren lief regelkonform ab, beschlossen wurde die freiwillige Variante. Urteil: irreführend.
Und einmal ohne Umweg über eine Quelle: Grimbart Studio: "250.000 Tote" bei der Bombardierung Dresdens. Das KI-Comic-Projekt verbreitet in seinen Videos eine Zahl aus der NS-Propaganda. Die Dresdner Historikerkommission belegt höchstens rund 25.000 Tote. Urteil: falsch.
Kinderschutz und Chatkontrolle
Weil die Chatkontrolle ohnehin auf dem Tisch lag, haben wir uns angesehen, was die Zahlen dahinter eigentlich hergeben. Der Kinderschutz, der Kinder kriminalisiert liest das BKA-Lagebild 2025: Die Hälfte der gemeldeten Verdachtsfälle ist strafrechtlich irrelevant, und ein großer Teil der Beschuldigten ist selbst minderjährig. Das Instrument trifft zu einem erheblichen Teil die, die es schützen soll.
Ein Lied und ein Sender
Das ZDF hat den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in der "Anstalt" abgesagt, mit der Begründung, "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" sei ein Gewaltaufruf. Ein Lied, ein Sender und ein dehnbarer Maßstab schaut auf beide Seiten des Streits und darauf, dass beide ihn verkürzen.
Neu auf der Seite
Hinter den Artikeln liegt die Quellensammlung, und die wächst schneller als die Artikel: allein in den vergangenen zwei Wochen sind 40 Quellenlinks und 11 neue Quellenprofile dazugekommen. Sichtbar war das bisher kaum. Die Startseite zeigte drei aktuelle Fundstücke, danach landete man in einer alphabetischen Liste ohne Zeitachse.
Deshalb gibt es jetzt Neue Quellenlinks: alle Fundstücke chronologisch, nach Monaten gruppiert, mit Filter nach Urteil. Wer nur die bewerteten Behauptungen sehen will oder umgekehrt nur die unbewerteten Belege, klickt sich das zusammen. Die bisherige Quellensammlung bleibt, wie sie war, für alle, die nach Person, Medium oder Organisation suchen statt nach Datum.
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